Zwischen Weser und Werkhalle – Deicherhöhung in Bremen-Farge
Hochwasserschutz für Bremen-Nord
Wer in Bremen lebt, weiß: Die Weser ist nicht nur schön, sie verlangt auch Respekt. Damit Bremen-Nord bei Sturmfluten auch in Zukunft sicher bleibt, wird der Deich in Farge erhöht. Im Auftrag des Deichverbands am rechten Weserufer haben wir bei diesem Projekt die Tragwerksplanung und die Objektplanung des Ingenieurbauwerks übernommen. Kurz gesagt: Wir planen, wie das Bauwerk aussieht, wie es funktioniert und wie es sicher trägt.
Wenig Platz, viel Verantwortung
Eine klassische Deicherhöhung braucht vor allem eines: Fläche. Ein Erddeich wird höher und dadurch auch breiter. Genau diese Fläche gibt es in Farge aber nicht. Auf der einen Seite fließt die Weser, auf der anderen Seite stehen direkt am Deich bestehende Gebäude. Einfach „mehr Deich“ aufschütten geht hier nicht.
Deshalb setzen wir auf eine schlanke Lösung: eine Spundwand. Dafür werden lange Spunddielen aus Stahl senkrecht in den Boden eingebracht. Sie greifen ineinander und bilden zusammen eine durchgehende Wand, das neue Rückgrat des Hochwasserschutzes. So entsteht der nötige Schutz, ohne dass wir in die Nachbarbebauung eingreifen müssen. Auf den Fotos sieht man gut, wie dicht Seilbagger, Ramme und Gebäude beieinanderstehen. Für die Planung heißt das: Jeder Meter zählt, und die Arbeiten müssen so geplant sein, dass der Bestand nebenan sicher bleibt.
Ebbe und Flut planen mit
In Farge ist die Weser ein Tidefluss. Zweimal am Tag steigt und fällt das Wasser. Was für Spaziergänger am Ufer ein schönes Schauspiel ist, ist für die Baustelle ein fester Taktgeber. Wasserstände, Strömung und der wechselnde Druck auf das Bauwerk fließen in unsere Berechnungen ein. Auch der Bauablauf muss die Tide berücksichtigen, besonders bei Arbeiten nahe der Uferkante.
Auch der Fluss selbst gehört zur Baustelle: Ein Schiff versorgt sie über die Weser. Während an Land die Spunddielen eingebracht werden, kommt der Nachschub übers Wasser. Eine Baustelle mitten im Leben des Flusses.
Unser Fazit
Projekte wie dieses zeigen, was wir an unserem Beruf lieben: Es gibt keine Lösung von der Stange. Enge Platzverhältnisse, Gezeiten und Bestand verlangen ein Bauwerk, das genau zu diesem Ort passt. „Geht nicht gibt's nicht“ – das gilt auch an der Weser.
Wir berichten gern weiter, wenn die Spundwand wächst.
Sie planen ein Projekt am Wasser oder im engen Bestand? Sprechen Sie uns gern an.
Fotos: Daniel Stelljes